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Gedenkstätte Mauthausen

Am Dienstag, den 5. Mai 2015, unternahmen die Schülerinnen und Schüler aller 4. Klassen eine Exkursion zur Gedenkstätte Mauthausen. Zuerst gingen wir die sogenannte „Todesstiege“ hinauf und obwohl wir passend gekleidet waren, gutes Schuhwerk trugen und vorher genug gegessen hatten, schafften wir es nur mit großer Mühe, ohne einen Stopp einlegen zu müssen, hinauf. Sich dabei noch vorstellen zu müssen, auch noch einen 20–40 kg schweren Stein auf unserem Rücken zu haben, war für uns schier unmöglich. Während des Aufenthalts lag eine seltsame Stimmung in der Luft, vor allem, als wir die Duschen betraten. Am schlimmsten war jedoch der Gedanke daran, dass man eigentlich die ganze Zeit auf Leichen herumging. Besonders prägend fand ich auch die viel zu kleinen Baracken, in denen mehrere hundert „Häftlinge“ zusammengepfercht wurden. Die Gaskammer, das Krematorium sowie viele Gedenktafeln waren einige andere sicherlich bleibende Eindrücke, die wir sammeln konnten. Der Besuch des ehemaligen KZ Mauthausen war sehr lehrreich, jeder konnte einen umfassenden Einblick in die damalige Zeit gewinnen und wir sind aufgerufen, alles zu tun, dass so etwas, was dort geschah, nie wieder passiert. (Alex Starmuž, 4C)
Ziel unserer alljährlichen Besuche des ehemaligen Konzentrationslagers ist es, die jungen Menschen nicht nur über die an diesem Ort begangenen Verbrechen zu informieren, sie sollen auch Einsichten gewinnen in die sozialen und psychischen Mechanismen der Konzentrationslager im Speziellen sowie der Gesellschaft von damals im Besonderen. Die Erfahrungen und Eindrücke vor Ort sollen Anstoß sein zu historischem Lernen durch Empathie und kritisches Nachdenken. Der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen war eine Erfahrung, die in den Schülerinnen und Schülern eine große emotionale Betroffenheit hervorrief, sie berührte und beeindruckte. Im Rahmen der Nachbereitung wurden sie aufgefordert, ihre Reflexion dieses Tages wiederzugeben. Im Folgenden nun einige Beispiele für die stattgefundene Auseinandersetzung (Gerhild Moritz-Schloffer):
Wie geht es dir jetzt nach dem Besuch in der Gedenkstätte Mauthausen?
Ich bin immer noch schockiert, nicht wegen dem, was jetzt noch zu sehen ist von der Gedenkstätte, sondern wegen der Dinge, die sich in diesen Räumlichkeiten abgespielt hatten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es diesen unschuldigen Leuten ergangen ist. Siekonnten sich nicht wehren, täglich mussten sie ihrem Tod entgegensehen. Ich kann und will es einfach nicht verstehen, wie man das machen konnte! (Adriana Gorenschek, 4C)
Wie erging es dir während des Besuches?
Während des Besuches befasste ich mich weniger damit, was ich zu sehen bekam, da ich schon einmal in der Gedenkstätte war, sondern eher damit, mich in die Opfer und auch in die SS-Leute hineinzuversetzen. Mich in die SS-Offiziere hineinzuversetzen, ist fast unmöglich für mich, da ich niemals jemanden quälen oder töten könnte, aus welchen Gründen auch immer. Man kann doch nicht in einer Uniform und mit Waffen an Qualen leidenden Menschen vorbeigehen und schon gar nicht, ihnen etwas zufügen! Ich verspürte aber auch tiefstes Mitgefühl und war auch ziemlich enttäuscht und traurig darüber, wie wir uns in unseren leichten Kleidern und festen Schuhen darüber beklagten, die Todesstiege hinaufzugehen. Es war anstrengend, doch wie fühlten sich erst damals die kraftlosen, abgemagerten, schwerstarbeitenden Häftlinge des KZ, die diese 186 Stufen täglich mit schweren Steinen am Rücken ohne Pause hinauf und hinunter laufen mussten! (Adriana Gorenschek, 4C)
Was hat dich besonders beeindruckt bzw. besonders berührt?
Besonders berührend fand ich die Ausstellung, die wir zum Schluss besichtigten: zuerst die Ausstellungsstücke mit den Erklärungen, dann das Krematorium und zuletzt der „Raum der Namen“. Wenn man diesen Raum betrat und die unzähligen Namen aufleuchten sah, wurde einem erst bewusst, wie viele Menschen unter der Naziherrschaft – nur allein in Mauthausen –  leiden mussten. Die dicken Bücher voller Namen versetzten mich in Erstaunen und Trauer. Nicht der Anblick, sondern der Inhalt mit seinen „Geschichten“! Auch die Gaskammer löste in mir Trauer aus. Der kleine, verflieste Raum, der den Anschein einer Dusche hat, in dem aber tausende von Menschen mit dem Gas Zyklon B getötet wurden. Erschreckend! (Lara Schüßler, 4C)
Ist es sinnvoll, in die Gedenkstätte Mauthausen zu fahren?
Ich finde es sehr sinnvoll, denn hier kann man wirklich sehen, wie grauenvoll diese Zeit war. Durch diese Exkursion wird jede/jeder sehr zum Nachdenken angeregt. Es wird einem vor Augen geführt, wie aus blindem Gehorsam Massenvernichtung entsteht. Ich denke, niemand will mehr so eine schlimme Zeit erleben. (Marissa Oswaldi, 4C)
Ich finde, dass es sinnvoll ist, in die Gedenkstätte Mauthausen zu fahren. Man sollte es erfahren, wie schrecklich, grausam und unmenschlich die Nationalsozialisten waren, damit Ähnliches in Zukunft verhindert wird. (Veronika Katz, 4B)
Was ich sonst noch über Mauthausen sagen möchte:
Ich persönlich finde es einfach krank, was die SS-Männer mit den Häftlingen aufgeführt haben, obwohl ich weiß, dass sie außerhalb der KZs ganz „normale“ Menschen waren. Gerade das finde ich sehr bedrückend und es macht Angst. (Timo Marko, 4C)
Ich möchte sagen, dass solche Gedenkstätten sehr wichtig sind, um der Jugend von heute klar zu machen, was damals geschehen ist. Diese Orte des Grauens sollen lange erhalten bleiben, als Warnung, damit so etwas Schreckliches nie wieder geschieht. (Ursula Juch, 4B)
Schülerbericht mit dem Titel „Ein Häftling erzählt“
Fünf Uhr morgens, unser Kapo schreit, dass wir aufstehen sollen. Ich und diejenigen, die noch Kraft dazu haben, springen auf, andere raffen sich mühsam hoch. Im Schnellschritt stellen wir uns vor den Baracken, am großen Platz, in Reihen auf. Ich habe Angst, Tag und Nacht, ich starre auf den Boden, mit der Hoffnung, nicht beachtet zu werden. Ein paar Gebrechliche werden erschossen. Es gehört zur Morgenroutine. Die leblosen Körper werden von anderen Häftlingen wegtransportiert. Ich verdränge meine Gedanken, ich bin fixiert, mein Bestes zu geben und nicht schwach zu werden, doch es wird mit jedem Tag schwerer. Nach der Reihe stellen wir uns an, wir bekommen alle ein Stück Brot und eine dünne Suppe. Gleich darauf werden wir über die steile Stiege in den Steinbruch gejagt. Tagtäglich 30-Kilo schwere Steine hinauf schleppen, ohne Pause! Anfangs hörte ich noch Schreie, wenn Menschen nacheinander die Stufen hinunterfielen, jetzt haben sie keine Kraft mehr! Wenn es dunkel wird, werden wir alle wieder in die überfüllten Baracken getrieben. Die nächste Nacht. Träumen kann ich schon lange nicht mehr! (Adriana Gorenschek, 4C)







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